Das verzerrte Selbstbild

Das verzerrte Gesicht

Als Fotograf habe ich nun bereits tausende von Menschen fotografiert und ich liebe es Menschen mit all ihren Facetten, Ecken und Kanten abzubilden. Vor allem wenn die Menschen es zulassen, dass ihr Gesicht, ihre Haltung und ihre Gestiken die Geschichte ihres Lebens erzählen und auf dem Foto spürbar machen.

In den letzten Jahren bin ich selten, aber doch immer wieder über ein bestimmtes Muster der Selbstwahrnehmung von Menschen gestolpert. Mit steigender Tendenz. Wenn man, so wie ich, in der Fotografie auf Authentizität und Natürlichkeit großen Wert legt, begegnet man einer verfälschten Selbstwahrnehmung in erster Linie in Form von Kritik. Ich neige dazu jeder Kritik auf den Grund zu gehen um auch zu verstehen, welche Ansprüche die Menschen an mich und vor allem auch an sich selbst haben. So bin ich eben auf dieses Verhalten gestoßen, das ausschlaggebend war um diesen Artikel zu schreiben.

Es geht um Kritik und Feedback das so klingt: “Ich sehe auf den Fotos aus als hätte ich 10 kg mehr!” Wenn ich diesen Satz höre, packt mich der Ehrgeiz und versuche detailliert herauszufinden woher dieses Feedback kommt. Denn als Fotograf sollte ich doch schließlich wissen, wie Menschen möglichst vorteilhaft abgebildet werden. Jedes Mal wenn dieser Kritik auf den Grund gehe, begegne ich folgender Situation. Der Mensch vor mir zückt sein Smartphone, öffnet die Fotogalerie und zeigt mir ein paar Selfies mit den Worten: “Hier auf diesen Fotos gefalle ich mir!”

Ein Selfie ist kein Spiegel

Doch warum gefallen sich diese Menschen auf den Selfies besser als auf den Fotos mit der Profikamera? Es handelt sich dabei um ein verzerrtes Selbstbild. Denn im wahrsten Sinne des Wortes verzerrt die Kamera im Smartphone das Gesicht. Das liegt daran, dass die Smartphonekamera wie ein Weitwinkel-Objektiv wirkt. Ein Objektiv mit geringer Brennweite führt dazu dass Objekte, die vor allem auch nicht weit vom Objektiv entfernt sind, verzerrt werden und das Gesicht schmal wirken lässt. Das führt nun in erster Linie dazu, dass die Menschen von sich ein falsches Selbstbild haben, das eher einem fingierten Ideal entspricht, als ihrem wahren Erscheinungsbild. Und so sind solche Menschen dann noch fast geschockt wenn sie sich sehen wie sie sind und finden es dann auch noch verkehrt, dass sie so aussehen. Natürlich völlig unbegründet!

Versteht mich nicht falsch, Selfies sind super und eines der prägendsten Entwicklungen der modernen Zeit. Nur sind sie nicht eben nicht das Maß aller Dinge und schon gar nicht als DIE Referenz zu betrachten, wenn es darum geht ,sich selbst zu “beurteilen”.

Du bist wunderschön – so wie du bist!

Würde ich jedesmal einen Euro verlangen wenn ich einen der folgenden Sätze höre, wäre ich vermutlich schon Millionär. “Ich bin überhaupt nicht fotogen!”, “Auf Fotos sehe ich immer furchtbar aus!” oder “Ich kann mich auf Fotos überhaupt nicht ansehen!” höre ich nur allzu oft. Es scheint als wäre es ein Volkssport sich selbst und sein äußeres zu diskriminieren, zu verurteilen – ja regelrecht zu hassen! Und soll ich dir was sagen? Ich bin zwar kein religiöser Mensch, nur ein Satz aus der Bibel ist mehr als treffend: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das erklärt für mich auch warum unsere Gesellschaft so funktioniert wie sie funktioniert. Du kannst andere auch nur mit Liebe und Empathie begegnen, wenn du mit dir selbst im Reinen bist.

Genau hier sehe ich meinen großen Beitrag den ich als Fotograf leisten kann. Ich möchte die Menschen dabei unterstützen sich selbst zu lieben und zu akzeptieren – so wie sie sind! Das ist nämlich das, was wir unseren Kindern wirklich hinterlassen können, um ihnen eine gute Zukunft vorbereiten zu können.

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